Dienstag, 23. dezember 2008 2 23 /12 /2008 22:49
 

Platonische Freundschaft

eine nicht ganz ernstzunehmende Betrachtung eines außergewöhnlichen Phänomens



Die nicht körperliche Freundschaft zwischen ungleichgeschlechtlichen (und nicht homosexuellen) Partnern mit der jeder wohl schon die ein oder andere Erfahrung gemacht hat und mit eher mäßigem bis katastrophalem Non- Happyend konfrontiert wurde. Es stellt sich nach einem Misserfolg immer wieder dieselbe Frage: warum hat es nicht geklappt???


Der Beginn allen Übels


Man ist zwar in einer „festen“ Beziehung, aber im Moment läuft es alles andere als rosig oder ist solo. Der Entschluss sich wieder einmal in ein Etablisment der gesellschaftlichen Kommunikation und Erquickung (Disco, Bar) zu begeben wurde reichlich überlegt und für gut befunden. Nun sitzt man da und hat beim vorangegangenen Rundgang bereits die Resourcenverfügbarkeit überprüft und keine oder nur bedingt geeignete potenzielle Jagdopfer entdeckt und nimmt eine abwartend passive Haltung ein. Eigentlich erstreckt sich das heutige Suchmuster ja auch nicht auf einen möglichen Partner für eine feste Beziehung oder ein einmaliges sinnliches Abenteuer (aber wenn es sich ergeben würde, wer weiß...), ein Flirt wäre allerdings genau das was unser auf kurz vor dem Nichtvorhandensein geschrumpftes Ego wieder einigermaßen zu Wachstum zu verhelfen sollte.


Befriedigt bemerkt man die nicht wenigen Blicke die einem zugeworfen werden. Aus den Augenwinkeln mustert man die Eigentümer der Augen. Ganz selbstverständlich teilten wir den Gegenüber in unser im Hirn hinterlegtes Schema ein mit alles in Allem drei Unterkategorien: den möglichen Sexualpartner, denn nett aussehenden möglichen guten Freund und Ratgeber und zuletzt geht gar nicht. Wenn momentan eine „psychologische Ausnahmesituation“ vorliegt (wir haben einen Lebensabschnittsgefährten oder stecken in der immer mal wiederkehrenden „ich hasse das andere Geschlecht“- Phase) werden die ersten beiden Kategorien erst einmal bewusst in die Schublade die platonische Freunde genannt wird zusammengefasst und umgeschichtet.


Die Musterungen der Interessenten und das offensichtlich wachsende Interesse erzielen die gewünschte Wirkung: das Selbstvertrauen ersteht wie Phönix aus der Asche. Es ergeben sich erste Gespräche in deren Folge das weitere Vorgehen festgelegt wird. Diejenigen welche mit der Eloquenz einer Tomate gesegnet sind und eigentlich aufgrund des ersten optischen Eindrucks für eine sagen wir mal vorsichtig eine Freundschaft in Betracht gekommen wären eliminieren sich selbst und werden in die dritte Kategorie verschoben.


Dann gibt es noch die die in den Kategorien durch unterschwellige Komplimente (nicht die plumpen, offensichtlichen oder obszönen Pseudokomplimente) und ein interessantes Innenleben einen Aufstieg in unserem Schema schaffen. Unser Gegenüber ist eindeutig ein guter Zuhörer, was in der derzeitigen Gefühlssituation eine essentielle Eigenschaft ist. Euphorische Verzückung macht sich bemerkbar - aus diesem Grund fällt der Entschluss sehr leicht dieses erste Treffen zu wiederholen. Hier ist er der platonische Freund der gut für unser Selbstbewusstsein sorgt mit eben jenen kleinen Nettigkeiten die uns so gut tun und eine unkomplizierte starke Schulter zum Anlehnen darstellt.







Wie geht es weiter?


Man trifft sich immer öfter und genießt die anregenden und befreienden Gespräche bei denen zwar prinzipiell fast ausschließlich nur einer spricht und das ist man selbst aber dafür sind ja Freunde da... Die bis vor Kurzem noch bestehende Lebenspartnerschaft ist mittlerweile ein Teil unserer selbst geschriebenen Lebensgeschichte, dazu hat uns unser platonischer Freund die nötige Stärke gegeben. Nebenbei hat man die eine oder andere Liebelei am Laufen oder auch mal eine kürzere Beziehung, unserem besten Freund haben wir natürlich alle Eroberungen vorgestellt und dessen Meinung eingeholt. Auch dem kurzzeitigen Partner haben wir mehr als deutlich gemacht dass eben jener platonischer Freund eine nicht wegzudenkende Größe in unserem Leben darstellt.


Wie endet die Geschichte?


Und dann kommt er der Zeitpunkt der irgendwann kommen musste: man stellt dem guten Freund jemanden vor in den man so richtig verliebt ist oder zumindest gaukelt einem der lange vernachlässigte Hormonhaushalt dies vor. Dieser eine Moment entscheidet über Bestehen oder Untergang der platonischen Freundschaft. Der Freund befindet sich in der Erwartung einer erneuten kurzzeitigen Errungenschaft mit wenig Erfolgsaussichten und hat sich leider getäuscht. Jetzt trifft ihn die Erkenntnis dass sich das händeringende Warten auf den einen, den besten und romantischsten Augenblick für das lang gehegte Liebesgeständnis nicht gelohnt hat um endlich den nur gerechten Lohn für die jahrelange Mühe einzuheimsen.


Wenigstens eine einzige Nacht oder noch viel besser und vor allem gerechter eine Beziehung in der das platonisch ausgeklammert wird. Ein „geregeltes Sexualleben“ mit der Person die man sowieso glaub in- und auswendig zu kennen und für die man nicht so viel Zeit geopfert hätte wenn man nicht glauben würde dass es nicht vielleicht der Mensch sein könnte an den man sich langfristig binden könnte. Die Situtation war nie so richtig perfekt und dann auf einmal von einem Tag auf den anderen ist es dann zu spät. Aus die Maus, Traum geplatz.


Rèsumè


Das ist nur eine Geschichte aus dem Verzeichnis der Beziehungen die den werten Namen eines griechischen Philosophen tragen und es mag Geschichten geben die ein anderes und besseres Ende haben und damit meine ich nicht eben jenen Freund zu heiraten, denn das ist mit dem Wort platonisch nicht gemeint. Was lernt man als solcher „bester Freund“ mit selbem traurigen und ungerechten Schicksal daraus?? Wer zu lange wartet verspielt seine Chance. Also: lieber einmal ein Wagnis eingehen selbst auf die Gefahr hin einmal abgewiesen zu werden.



von belo - veröffentlicht in: Mars und Venus
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