Donnerstag, 25. dezember 2008 4 25 /12 /2008 21:06
 

Nachdenkliche Betrachtung


Gut dass es sie gibt, diese wundervolle Parallelwelt mit der offenen Anonymität die man im realen Leben niemals erleben könnte, die nicht versiegen wollende Informationsquelle. Man kann seine eigenen kleinen Unzulänglichkeiten verstecken und wenn doch jemand die gut gehüteten Schattenseiten unseres Ichs entdecken sollte wird der Kontakt einfach abgebrochen oder auf einem Minimum belassen.


Surfen auf den Weiten eines nahezu unerschöpflichen Ozeans, chatten mit Menschen aus aller Welt – die räumliche Distanz schrumpft bis zum Nichtvorhandensein. Einsame Herzen die normalerweise gegenüber anderen Menschen kein Wort zustande bringen würden knüpfen Kontakte und schwimmen mit im Sog der Datenflut. Egal in welchem Chatroom man sich befindet: es sind immer Unmengen von Menschen anwesend die nur auf der Suche nach dem Einen sind: sexuelle Abenteuer wobei hier das Internet als Mittel zum Zweck der Zusammenkunft in der Realität nutzbar gemacht wird.


Als nächstes gibt es da diejenigen Menschen die einfach nur gelangweilt sind – aus welchem Grund auch immer und einen netten Plausch mit „normalen“ Menschen suchen. In der Natur des Menschen liegt es einfach soziale Kontakte zu pflegen. So wurden wir geschaffen und es ist unwiderruflich in unserem Genom verankert.


Es ist der Rückzugsort in dem wir unsere Identität abstreifen können um in eine andere – bessere – zu schlüpfen. Eine Traumwelt in der man vielen anderen Träumern begegnen kann um sie niemals wirklich zu treffen oder zu wissen ob das was man über dieses Individuum weiß nur Fiktion oder Realität ist. Alles ist so süß unkompliziert, man muss niemandem in die Augen sehen und die eigene Schwäche zu erkennen geben.


Wenn man sich entschließt als der Mensch der man ist auf die Suche nach einem Gesprächspartner zu gehen findet man schnell und einfach jemanden dem man schnell seinen Seelenmüll aufs Auge drücken oder auch mal kleine Gemeinheiten sagen kann die sonst nicht über unsere Lippen kämen. Die sonst zahlreich vorhandenen Hemmungen zu jemandem Kontakt aufzubauen können getrost beiseite gelassen werden. Wer sieht uns denn schon? Wer sieht dass wir einen Waschkessel vor uns her tragen, eine Narbe im Gesicht oder keine Haare mehr auf dem Kopf haben und dass wir entweder gar keines oder ein eigentlich schon zerfallenes Auto besitzen? Es steht jedem frei sich die Schicksale, Träume und Gedanken anderer anzuhören und gute Ratschläge zu erteilen obwohl man selbst wenig bis gar keine Ahnung hat.


Ganz wie selbstverständlich zählt man insgeheim die Internetbekanntschaften mit denen man einen regelmäßigen Kontakt pflegt zu seinen Freunden. Nur wer sagt einem dass der Mensch am anderen PC oder Notebook wirklich der ist der er zu sein scheint??? Macht er es nicht mit mir wie ich mit anderen und schlüpft in eine Pseudoidentität? Eigentlich interessiert uns das ja auch gar nicht.


Es ist verführerisch ganz in diese Welt einzutauchen und die nicht immer ganz einfache Realität von sich zu weisen – „dort“ ist alles scheinbar besser und so viel einfacher – NUR NICHT WAHR....

von belo - veröffentlicht in: Gesellschaft
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